Grasfreie Baumscheibe lässt Bäume schneller wachsen
Zum Winterschnittkurs des Obst- und Gartenbauvereins Bettringen auf der Streuobstwiese im Amselweg konnte der Vorsitzende Suitbert Geiger am letzten Samstag unter über 30 Teilnehmern auch einige neue Gesichter begrüßen. Besonders erfreut zeigte sich Geiger darüber, dass sich auch jüngere Gartenbesitzer eingefunden hatten. Gleich zu Beginn eröffnete er den Besuchern des Schnittkurses: „Es gibt nicht den perfekten Obstbaumschnitt. Oft sind mehrere Lösungen möglich.“
Auf der Baumwiese am Amselweg hatte die Stadtverwaltung als Ausgleichsmaßnahme für die aktuelle Rodungsaktion zum Bau der Mehrfamilienhäuser an der Güglingstraße 15 mehrjährige Obstbaumhochstämme durch eine Fremdfirma pflanzen lassen. Diese hatten allesamt einen Erziehungsschnitt nötig. Daneben befinden sich auf dem Grundstück mehrere Reihen von über 10 Jahren alten Obstbäumen sowie einige Walnuss- und Maronenbäume, die in den letzten Jahren gepflanzt wurden. Somit konnte Suitbert Geiger den Teilnehmern an zahlreichen Demonstrationsobjekten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien die grundlegenden Schnittmaßnahmen vorführen.
Insbesondere für die weniger erfahrenen Teilnehmer erläuterte Geiger die Wachstumsgesetze und allgemeinen Grundlagen des Obstbaumschnitts. An mehreren Apfelbäumen und einem Walnussbaum demonstrierte er systematisch sehr anschaulich, wie zunächst drei gleichmäßig am Stamm verteilte Leitäste bestimmt und auf gleiche Höhe „in der Saftwaage“ geschnitten werden müssen und sodann die Stammverlängerung in einem Winkel von 45 Grad darüber gekürzt wird. Er schärfte den Zuschauern ein, dass Stammverlängerung und Leitäste möglichst keinen Knick aufweisen sollten und alle Austriebe zu entfernen sind, die näher als 10 Zentimeter unterhalb der Schnittstelle liegen.
Im Verlauf der Vorführung erläuterte Geiger außerdem die Vorteile einer Baumscheibe bei jüngeren Bäumen. Wird diese von Gras freigehalten, wachsen die Bäume besser an und Verletzungen durch Mäharbeiten werden vermieden. Er gab auch Hinweise zur Düngung, zum Mulchen und zum Anbringen eines Weißanstrichs am Stamm von Obstbäumen. Als letztes wurde ein alter Apfelbaum geschnitten, bei dem das alte Fruchtholz entfernt wurde, um das Wachstum wieder anzuregen.
Das große Interesse der Teilnehmer zeigte sich an den zahlreichen Zwischenfragen der Besucher, die Geiger ausführlich und fachlich kompetent beantwortete.
H. Ocker